Die Internationale Gesellschaft für Neue Musik Bern hat 2011 einen internationalen Wettbewerb für elektronische Musik zum Thema «Flucht» ausgeschrieben. Gewinner des Wettbewerbs ist der Schweizer Klangkünstler, Komponist und Musiker Cyrill Lim (*1984). Seine Komposition «Weg» wird am Musikfestival Bern in Zusammenarbeit mit der Dampfzentrale Bern uraufgeführt. Das Werk verlangt als Besetzung «eine sinnvolle Anzahl Lautsprecher und Mikrofone» und evoziert die Perspektive von Flüchtenden: Als Verfolgte stehen sie unter hohem physischen oder psychischen Druck, ihre Ziele sind Sicherheit, Geborgenheit und Ruhe. Eine Flucht ist ein Prozess des Entziehens, ihr Verlauf und ihr Ende sind nicht vorhersehbar. Flucht kann sowohl eine schmerzhafte als auch eine befreiende Erfahrung sein. Cyrill Lims Komposition überzeugte die Jury wegen der Schlüssigkeit des Grundkonzepts und der Schlichtheit der eingesetzten Mittel: Aus einem starken Rauschen, das durch die Addition sämtlicher Tonhöhen entsteht, werden durch Filterungen in einem langwierigen Prozess Töne «herausgesiebt»; der einzelne Ton klingt gegenüber der Kraft des Rauschens extrem leise. Je mehr Töne aus dem Rauschen herausgefiltert werden, desto schwächer wird der Gesamtklang. Gegen Ende bleibt nur noch ein feines kaum hörbares Rieseln der Töne übrig. Das Werk muss sich auf die ortspezifischen Eigenschaften des Raumes einstellen, der die Lautstärke des Anfangs ebenso definiert wie die Hörbarkeit der flüchtigen Klangkörnchen am Schluss. Cyrill Lims musikalische Wahrnehmungsstudie reflektiert auf eindrückliche Weise die Erfahrung der Flucht.
Mit Dank an Roman Lim für die Unterstützung und Programmierung
tanzende Kontrabassistin (2010)
Von Cyrill Lim für eine tanzende Kontrabassistin mit Kontrabass und Elektronik
Auf einer Bühne spielt eine Kontrabassistin, einen Arm um den Hals des Basses geschlungen, ihre Bewegungen des Spielens werden zum Tanz. Wie hört sich das aus der Perspektive der Bassistin an, wenn sie sich während des Spiels bewegt? Das Publikum wird nicht (körperlich) mitbewegt, dafür der akustische Raum, der dafür erschaffen wird. Dieser entsteht durch ein mehrkanaliges Lautsprecher-Setting, dass um das Publikum aufgebaut wurde. Die gespielten Töne der Kontrabassistin, die räumlichen und klanglichen Bearbeitungen davon durch den Performer an der Elektronik und die Tanzbewegungen der Bassistin sind dabei eng miteinander verknüpft und aufeinander bezogen.
home | performance | installation | komposition || GingerEnsemble
Kontakt: cyrill@klang-kunst.ch