ever become again (2012)
Von Lilian Beidler und Cyrill Lim
ever become again besteht aus drei skulpturalen Bildern, die auf verschiedenen Ebenen zueinander Bezug nehmen.
Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Zeit, die ein immanenter und essentieller Teil unseres prozessorientierten Schaffens als Musiker und Medienkünstler ist.
Diese Arbeit wurde spezifisch für eine Ausstellung in der PenClub Gallery in Budapest erarbeitet. Kuratiert wird die Ausstellung vom Hungarian Multicultural Center, deren einzige Auflage war, dass die Arbeit in einen 9 x 12 inch Umschlag passen muss. Von dieser Auflage fasziniert entstand ein Triplet das sowohl "sound" – und somit Zeit – als auch unser Symbolsystem und die Beziehungen und Gegensätze von Material und Medien thematisiert.
Ein Teil der Arbeit besteht aus einer kleinen Musikbox und einem geschlossenen Lochstreifen, so dass eine Melodie ohne erkennbaren Anfang und Ende im Loop abgespielt wird. Der zweite Teil ist ein digitaler Bilderrahmen, der eine inaktive, zeichenfreie Uhr abbildet. Das dritte Teil besteht aus Kressesamen auf Watte. Die Kressesamen stellen das Wort "sound" dar und während der Dauer der Ausstellung wird die Watte täglich mit Wasser getränkt.
Wispern (2010)
Von Cyrill Lim für fünf durch Satellitenschüsseln gerichtete Lautsprecher
David Hockney hat zu Beginn der 90er Jahre mit seinen Photographic Collages Bilder gemacht, die aus vielen kleinen Fotos zusammengebaut sind und am Ende wieder das gesamte Bild z.B. einer Landschaft wiedergeben. Auch wenn die einzelnen Fotos zum Teil weder aus derselben Perspektive, geschweige denn zur selben Zeit und mit denselben Lichtverhältnissen gemacht wurden, entsteht im Endeffekt ein Panoramabild, dass man in einer Art Gesamtperspektive sehen könnte. Analog dazu wird in dieser Installation eine polyrhythmische Struktur in Einzelteile zerlegt und im Raum verteilt. Mit ein bisschen Geduld und einem aufmerksamen Ohr kann man nicht nur die einzelnen Teile dieser Struktur, sondern den "Gesamtklang" selber im Raum wieder finden. Damit dies möglich ist, müssen die Lautsprecher stark gerichtet sein, um eine Art Klangstrahl zu bilden. Ähnlich, wie wenn man mit verschiedenen Lasern einen Punkt in dem Raum anvisieren würde. Zu diesem Zweck benutze ich die Satellitenschüsseln. Die Lautsprecher sind gegen die Schüsseln gerichtet, welche den Klangstrahl gebündelt an einen bestimmten Punkt senden.
Diese Klanginstallation ist sehr ruhig und sanft und erfordert ein konzentriertes Hören. Schon kleine Neben- und Aussengeräusche können störend wirken, deshalb sollte man sich möglichst ruhig und höchstens zu viert im Raum bewegen. Auf der Suche nach einem Klangstrahl kann man sich zur Hilfe auch optisch versuchen zu orientieren. Es kann manchmal auch sehr hilfreich sein, den Kopf zu drehen.
scherbeln (2010)
Klang-Licht-Installation für 15 Fenster
Konzept, Realisation Ton: Cyrill Lim und Marcel Saegesser
Realisation Licht: Ruedi Steiner und Daniel Meuter von Lichtbau
Diese Klang-Licht-Installation wurde anlässlich der Museumsnacht Bern 2010 für die Fensterfront der Hochschule der Künste Bern an der Papiermühlestrasse 13 konzipiert.
Die 15 Fenster werden mit je einer Lichtquelle von innen beleuchtet. Die Helligkeit des Lichts der einzelnen Fenster verändert sich über die Gesamtdauer von acht Stunden nach einer bestimmten Struktur, die in Abhängigkeit zur Anzahl der Fenster und der Gesamtdauer steht. Die Struktur der Installation wird somit durch das Gebäude vorgegeben, was zu einer einmaligen, ortspezifischen Arbeit führt, die sich an verschiedenen Gebäuden installieren lässt.
Die sieben Fenster in der untersten Reihe werden zusätzlich mit je einem speziellen Lautsprecher bestückt, der die Scheiben in hörbare Schwingung versetzt.
Als Klangmaterial werden Sinusschwingungen verwendet, deren Tonhöhenverlauf auf derselben Struktur beruht, durch die auch das Licht gesteuert wird. Die Ausgangsfrequenz, die zugleich die Eigenresonanz der Fensterscheiben ist, wird als tiefste Tonhöhe definiert. Zu Beginn jeder zweistündigen Periode treffen sich die sieben Klangquellen in dieser Ausgangsfrequenz. Nach jeweils einer Stunde bilden die sieben Tonhöhen einen festgelegten Akkord. Da sich jede Klangquelle in einer individuellen Geschwindigkeit von der Ausgangsfrequenz zur Akkordfrequenz hin entwickelt, ergibt sich ein sich stetig wandelnder polyphoner Klangteppich.
I, Phon (2008/2010)
Von Cyrill Lim für fünf individuelle Lautsprecher
Die Realität akustischer Aktionen ist an sich schon eine bewusstseinsabhängige, subjektive Wirklichkeit. Nur schon dadurch ist die Verwendung eines Lautsprechers, um einen Klang möglichst "real" wiederzugeben, eine paradoxe Sache.
Wenn ich einen Lautsprecher benutze, wird der Klang mehrfach medial verzerrt: Durch den Erbauer, die Elektronik und den Rezipienten. "I, Phon" ist ein Stück, dass durch die individuelle Klanginterpretation eines jeden Lautsprechers (und Verstärkers) geprägt ist.
So werden die benutzten Lautsprecher nach ihren Klangeigenschaften analysiert und der musikalische Inhalt nach diesen Kriterien komponiert.
Tagtäglich hören wir Klänge, Sprache und Musik durch Lautsprecher: Handy, Lautsprecherdurchsagen am Bahnhof, iPod / iPhone, die Hintergrundmusik in den Warenhäusern, ... Manche hören Musik über billige Knopfkopfhörer, andere kaufen sich teure Stereoanlagen und drehen dann ihre Subwoofer so auf, dass der technisch lineare Frequenzgang, der die Anlage so teuer machte, eher einer Bergstrasse gleicht. Es sind diese Unterschiede in der Bauweise der Lautsprecher, welche jedes Model einzigartig machen. Während man diesen Eingriff in der Klanglichkeit der Wiedergabe normalerweise ausblendet und den Lautsprecher benutzt, um seine Lieblingsalben zu hören, möchte ich hier den Fokus des Hörers eben genau auf den Lautsprecher als Medium richten.
Hören Sie die Unterschiede der verschiedenen Lautsprecher? Welcher brummt? Welcher zischt? Welcher ist der "Schönste"?
home | performance | installation | komposition || GingerEnsemble
Kontakt: cyrill@klang-kunst.ch